Wärmer als das Herrenmodell bei gleichem Gewicht, R-Wert 5.4
VORTEILE
- höherer R-Wert als Herrenmodell bei gl. Gewicht (5.4, - 20 °C)
- ultra-leicht und kompakt (340 g, 1.8 L)
- für 4 Jahreszeiten und das Hochalpine geeignet
- raue Oberfläche, nicht allzu rutschig
- sehr robust (Cowboycamping ohne Groundsheet)
- gute Isolation, ohne Daunen- oder Fleecefutter
NACHTEILE
- raschelt etwas (ich höre es nur beim Drinnenschlafen)
- nur ein Verschluss ohne Ventil (Innendruckregulierung)
- die Endgegner sind scharfe und spitze Objekte
- Rückrufaktion wegen abblätternder Reflektionsschicht
- leichtes und voluminöses nimmt der Wind gerne mit
- Pumpsack empfohlen, wiegt aber zusätzlich
BEWERTUNG
Getestetes Modell: Therm-a-rest NeoAir Xlite Damen (Gr 51x164 cm - Women's Regular orange)
Die Isomatte gehört wohl zu den absoluten Essentials für jegliche Outdoor-Touren. Geschickt gewählt ist sogar eine bequeme und erholsame Nacht auf einer komfortablen und warmen Matte mit zugleich irre geringem Gewicht und Packmaß möglich. Daraus entsteht lediglich die Notwendigkeit stets geeignete Flicken bei sich zu tragen. Und ja, ich nutze das Frauenmodell und halte gerade das für einen geschickten Schachzug! Es ist bei gleichem Gewicht deutlich wärmer und die geringere Länge gleiche ich durch ein improvisiertes Kopfkissen wieder aus.


Aufblasen
Der seitlich am Kopfende angebrachte Drehverschluss verfügt über kein Ventil. Einmal aufgeblasen kann hier vor dem Verschließen wieder Luft entweichen, was das exakte Einstellen des Innendrucks zum Regeln des Liegekomforts erschwert. Mit etwas Übung klappt das ganze aber hinreichend genau. Zum Aufblasen gibt es als Zubehör einen Pumpsack. Ich nutze einen solchen gerne, um keine Feuchtigkeit über meinen Atem in die Matte einzubringen. Diese könnte zu Schimmelbildung führen, oder die Isolation beeinträchtigen.
Jedoch ist der Pumpsack von Therm-a-Rest sehr groß, dickwandig und schwer. Wer diesen zugleich als Rucksackliner verwendet, um seine Ausrüstung tagsüber vor Feuchtigkeit zu schützen, kann das Extragewicht sicher verkraften. Ein beliebiger anderer Sack, an den ein Stück Rennradschlauch getapet wurde, tut den Job ebenso gut. Ich nutze den Schnozzel Pumpbag von Exped mit einer solchen Modifikation. Wer sich das Gewicht und den Aufwand aber sparen möchte und sich nicht so anstellt wie ich, kann die Matte auch gern mit dem Mund aufpusten.


Außenmaterial
Von außen besteht die Matte aus einem robusten, wasser- wie luftdichten und leicht rutschhemmenden 30 Denier dicken und polyurethanbeschichteten Ripstop Nylon mit besonders hoher Zähigkeit.
Das Material macht einen sehr robusten Eindruck. Ich habe ihm schon eine Menge zugemutet - Cowboycamping ohne Groundsheet auf Steinen oder stacheligem Waldboden - und musste bisher nicht einmal mein Flickset bemühen. Die Schwachstelle der Matte verorte ich vielmehr an den Schweißnähten. Diese machen jedoch einen ebenso robusten Eindruck. Falls sich ein Loch den Weg durch die Schweißnaht bahnen würde, wäre dieses sicher am Ventil der Fall. Doch selbst wenn das nach Jahren der Benutzung passieren sollte, gäbe es Ersatzteile, Kleber und Flicken mit denen sich eine Reparatur durchführen ließe.

Isolation
Wärme kann dem Körper durch drei unterschiedliche Transportmechanismen verloren gehen. Durch Wärmeleitung bei berühren eines gut leitenden Gegenstandes, durch Konvektion bei umströmen mit einem aufnehmenden Medium und durch Wärmestrahlung, die er immer abgibt.
Die in der Matte verwendeten Materialien leiten alle samt sehr schlecht die Wärme. Im Inneren befinden sich zwei Schichten querverlaufender Dreieckskammern, die mittig parallel zur Unter- und Oberseite durch eine reflektierende Schicht getrennt sind. So hat die Luftschicht, die vom Körper erwärmt wird praktisch keinen Kontakt oder Austausch mit der Luftschicht, die den Boden berührt. Die Reflektorschicht wirft zudem Wärmestrahlung zurück zum Körper. Durch diese Konstruktion erreicht die Matte ohne zusätzliches Innenfutter wie Daunen oder Fleece eine hervorragende Isolationswirkung.
Nichts desto trotz gibt es entlang der Flanken eine Verbindung der Kammern untereinander. Mit Längskammern statt Querkammern wäre das ganze sicher zu beheben, in Anbetracht des hohen R-Wertes scheint dies aber auch nicht von Nöten zu sein.

Daten
Gewicht: 340 g (Herstellerangabe)
Packmaß: 23 x 10 cm, 1.8 L (Länge x Durchmesser, Herstellerangabe)
R-Wert: 5.4 (Herstellerangabe, Herrenmodell: 4.2)
Temperaturbereich: - 20 °C (Grenzwert)
Maße: 168 x 51 x 6.4 cm (Herstellerangabe)
Materialien: 30d rip HT Nylon, Polyurethan
Farbe: Lemon Curry
Made in Ireland



Einsatzbereich
Der R-Wert von 5.4 ist so hoch, dass ich diese Matte tatsächlich als eine Matte für alles benutze. Ich habe vorher tatsächlich überlegt, mir das Modell NeoAir UberLight (R: 2.3, 0 °C, 250 g) als ultraleichte Sommermatte und das Modell NeoAir XTherm (R: 6.9, - 30 °C, 430 g) als warme und robuste Winter- und Hochtourenmatte zu holen. Mit der NeoAir Xlite spare ich jetzt jedoch gutes Geld, die Sorgen um die sehr dünne UberLight und das Zusatzgewicht der XTherm. Und mal ehrlich, 340 g sind schon verdammt leicht und - 20 °C Grenztemperatur sind für Hochtouren auch im Winter völlig ausreichend.
Nur für die Hängematte auf Sommertouren nutze ich eine faltbare Matte aus geschlossenzelligem Schaumstoff. Mit einem doppelten Boden ist die XLite nicht das Problem. Einfach so in die Hängematte gelegt rutscht sie des Nachts jedoch gern zur Seite weg. Eine Schaumstoffmatte hingegen ist warm genug, passt sich der Hängemattenform an und ist auch als Sitzunterlage im Camp robust genug.
Ich verwende die Matte mit unterschiedlichen Schlafsäcken und auch mit einem Quilt. Da ich immer bekleidet schlafe, kann ich schlecht was zum Gefühl der Matte direkt auf der Haut sagen. Da das Material jedoch weder flauschig aufgeraut, noch saugstark oder atmungsaktiv ist, ist es sicher nicht das angenehmste. Bei selbst leicht schrägem Boden rutsche ich eigentlich nie von der Matte, der Schlafsack klebt jedoch auch nicht gerade an ihr. Das von anderen öfters angesprochene Knistern, das bei der XTherm auf Grund mehrerer Reflektorschichten noch stärker ist, hat mich nie gestört. Ehrlich gesagt fällt es mir nur auf, wenn ich drinnen in einem Raum mit anderen Schlafe und nach dem Gang auf die Toilette möglichst leise zurück in den Schlafsack steigen möchte. Hier hält mich jedoch nicht das Knistern selbst, sondern vielmehr die Sorge, dass es andere wecken könnte, kurz wach.

Vergleich
Ich bin 187 cm groß und sollte daher besser auf die Herrenmodelle mit 183 oder 196 cm Länge passen. Die Größe Regular mit 183 cm wiegt zudem nicht mehr, sondern ebenso genau 340 g. Warum also das Damenmodell mit nur 168 cm Länge? Nun, zum einen kann die Matte mit einem Rucksack oder anderen Ausrüstungsgegenständen verlängert werden. Ich bin Seitenschläfer und brauche ein Kopfkissen. Meist stopfe ich einen wasserdichten Packsack mit Kleidung aus und beziehe ihn mit meinem Schlauchschaal. Zum anderen ist das Damenmodel mit einem R-Wert von 5.4 (- 20 °C) gegenüber den Herrenmodellen mit 4.2 (- 12 °C) deutlich wärmer. Eine wärmere Matte ermöglicht ein breiteres Einsatzspektrum und einen dünneren Schlafsack. So lässt sich wiederum Gewicht einsparen.
Die Breite ist mit 51 cm nicht zu schmal. Das Herrenmodell in den Größen Regular Wide und Large dürfte mit einer Breite von 64 cm komfortabler sein und die Arme sollten beim Schlafen auf dem Rücken zuverlässiger auf der Matte verbleiben. 55 cm ist für mich aber das Maximum. Meine Freundin und einige meiner Freunde und Kletterpartner verwenden die gleiche Matte wie ich und so müssen zwei davon in unser Mountain Hardwear Direkt 2 oder unser Big Agnes Tiger Wall 2 UL passen. Auch für die Verwendung im Biwaksack oder einer Hängematte sollte die Matte nicht zu breit sein.


Pflege
Um keine Feuchtigkeit in die Matte gelangen zu lassen nutze ich meist einen Pumpsack. Das spart zudem Zeit und dieser kann auch als wasserdichter Packsack oder Rucksackliner zweitverwendet werden. Zu Hause blase ich die Matte damit dann noch einmal auf, lasse sie im Warmen etwas praller werden und rolle sie dann für die Lagerung zusammen. Bisher konnte ich so meine Matten schimmelfrei halten. Nachdem die Matte dreckig geworden ist wasche ich sie mit einem Schwamm, warmem Wasser und etwas Seife.
Entscheidend ist aber, im Falle eines Loches schnell reagieren zu können. Ohne Luft im Inneren ist die gesamte Isolationswirkung dahin und die Nacht kann sehr sehr ungemütlich werden. Das beiliegende Flickset habe ich nie benutzt, auch wenn Therm-a-Rest neuerdings neben Flicken und Kleber, knetgummiartige Sofortflicken beilegt. Ich nutze unterwegs wie zu Hause SeamGrip und TenaciousTape. Der Polyurethankleber ist gut um so ziemlich alles zu flicken und zu kleben. Er wird zu einer festen aber elastischen und transparenten Masse und ist einfach Gold wert. Das Tape ist optimal als Sofortflicken, oder um Matten, Hardshelljacken, Zeltplanen etc. abzudichten. Hier habe ich immer vorgeschnittene Stücke in verschiedenen Größen und mit abgerundeten Ecken dabei.
Doch jetzt, wo ich mir das originale Flickset mal genauer ansehe, hat sich auch hier einiges getan. Früher bestanden solche Sets aus einem Kleber, der etwas länger brauchte und einem Fetzen Außenmaterial, aus dem passende Flicken ausgeschnitten werden mussten. Eher ungeeignet für Feldreparaturen. Jetzt beinhaltet es Alkoholtücher zum Reinigen der Oberfläche, TenaciousTape-artige Klebepatches namens Tear-Aid Patch Typ A und gelartige Klebetropfen, die einfach auf das Loch gedrückt und eingearbeitet werden können. Ein absolut brauchbares Set.
Falls die Schweißnaht am Ventil undicht wird oder gar das Ventil selbst kaputt geht, gibt es im Handel ein Ersatzteileset. In diesem befindet sich ein neues Ventil und eine Tube SeamGrip.




Rückrufaktion
Vor einigen Wochen habe ich mit Freunden den Punkt diskutiert, dass einigen unserer XLite Matten Schäden an der Reflektorschicht anzusehen sind. Gegen das Licht gehalten sieht das Innere der Matte fleckig aus und die reflektierende Beschichtung scheint abzublättern. Therm-a-Rest hat wohl auch allen Kunden, deren Matten diesen Schaden aufweisen, einen Ersatz angeboten. Kurz nach dieser Rückrufaktion gab es online vergünstigt Matten mit einem angeblich nur optischen Schaden zu kaufen. Wie kann es sein, dass die reflektierende Schicht abblättert und Therm-a-Rest sagt, es hätte keine Auswirkungen auf die Isolationsfähigkeit? Ist die Rolle dieser Schicht so gering? Wenn ja, warum gibt es sie dann?


Resümee
Eine absolut starke Matte und derzeit meine absolute Empfehlung für ein Allroundtalent. Sie ist mit 340 g und 1.8 L episch leicht und kompakt, was sehr entspanntes Wandern, sportliches Bergsteigen und einen handlichen Rucksack ermöglicht. Lediglich für Sommertouren mit Hängemattensetup und Bushcrafttouren, die eine robustere Matte benötigen, nutze ich eine Faltmatte aus geschlossenzelligem Schaumstoff. Unbedingt abraten kann ich hingegen von selbstaufblasenden Matten. Diese vereinen das Schlechteste - groß, schwer, empfindlich - aus beiden Welten.



